Auf der Jungfernfahrt machte das neue Schiff der Cunard-Reederei in Hamburg fest. Allerdings kamen viel weniger Touristen und "Sehleute" in den Hafen, als es bei den Besuchen der "Queen Mary" der Fall war.
Von Eigel Wiese
Die Aufregung war Ruth, der quirligen Amerikanerin mit den kurzen grauen Haaren, anzumerken. Mit 27 Reisen auf dem Cunard Liner "Queen Elizabeth 2" ist sie eigentlich ein Routinier. Aber die "Queen Victoria" als Neubau zu erkunden, das empfand sie durchaus als Abenteuer. Wie gefällt ihr das neue Schiff im Vergleich mit dem maritmen Veteranen derselben Reederei? "Alles ist viel moderner," sagt sie. "Aber es hat Stil. Very british." Und der Charme des Schiffes? "Der wird schon noch kommen," meint sie, lächelt und entschwindet aus der Fahrstuhltür. Ruth stammt aus den USA und will jetzt Hamburg erkunden.
Der Empfang der "Queen Victoria" fiel weniger spektakulär aus als beim ersten Anlauf der "Queen Mary 2" im Jahr 2004. Damals hatten Hunderttausende die Ufer gesäumt. Gewundert hat sich über die geringere Zahl an Schaulustigen niemand. Denn mit 294 Meter Länge und einer Bruttoraumzahl (BRZ) von 90 000 ist die "Queen Victoria" um einiges kleiner als die 345 Meter lange und mit 148 873 BRZ vermessene "Queen Mary 2", die allein wegen ihrer Superlative viele Menschen mobilisierte.
Bereut hat Anja Tabarelli, Geschäftsführerin des Cunard-Büros in Hamburg, trotzdem nicht, das Schiff schon während seiner Jungfernfahrt nach Hamburg gelockt zu haben: "Nirgendwo auf der Welt werden unsere Schiffe so begeistert empfangen wie an der Elbe. Und ich habe mich bei der Fahrt elbaufwärts gefreut, wie oft unser Schiff vom Elbufer her angeblitzt wurde, weil die Fans ein Erinnerungsfoto machen wollten. Für uns ist dieser Besuch ein Dankeschön für das große Interesse an unseren Schiffen."
Erleichtert zeigte sich Hafenkapitän Jörg Pollmann, weil diesmal erheblich weniger Boote mit Schaulustigen auf dem Wasser waren als noch bei den vergangenen Besuchen der "Queen Mary 2". Auch er war als Gast an Bord, um sich den Neubau anzuschauen.
Mit der Wahl des Schiffsnamens war auch die Ausstattung des Schiffes vorgegeben. Sie spiegelt die Eleganz der victorianischen Epoche wider, mit warmen Holztönen, kunstvoll geschwungenen Geländern und farbig verzierten Glasdächern. Die Gäste können in Shopping Malls wie im victorianischen London flanieren, in einer Bibliothek, die sich über zwei Decks erstreckt, aus mehr als 6000 Büchern ihre Lektüre aussuchen oder von einer Lounge auf Deck 10 einen 360-Grad-Blick genießen.
Gestern Abend feuerte Hamburg ein großes Feuerwerk zu Ehren des Schiffes ab. Wenig später legte es wieder ab und glitt majestätisch beleuchtet die Elbe abwärts. So schnell wird es nicht wieder nach Hamburg kommen. Cunard will das Schiff in erster Linie auf dem englischen und amerikanischen Markt anbieten.
Zu ihrer ersten Weltreise legt die "Queen Victoria" am 6. Januar 2008 in Southampton ab. Gemeinsam mit der "Queen Elizabeth 2" wird sie den Atlantik überqueren. Dabei sollen die beiden Schiffe, so weit möglich, immer in Sichtweite bleiben.