Wer erwartet hatte, dass der Luxusliner "Queen Mary 2" bei seinem mittlerweile sechsten Hamburg-Besuch kaum noch Zuschauer anziehen würde, hat wohl selten so danebengelegen: Gut 60.000 Menschen säumten am Freitag nach Schätzung der Polizei beim Auslaufen des längsten Passagierschiffs der Welt allein den Hafenrand zwischen Kreuzfahrtterminal und Landungsbrücken. Weitere Tausende standen am Fischmarkt und in Blankenese. Eine Flotte von voll besetzten Barkassen kreuzte vor dem Kreuzfahrtterminal, wo auch das "ZDF-Traumschiff", die MS "Deutschland" wie die "Queen" für einen Tag festgemacht hatte. "Mit einem solchen Ansturm der Leute habe ich nie gerechnet", sagte Franziska Piepke (20), die an einem Kiosk kleine Fähnchen zum Winken verteilte. Gut 20.000 Stück waren ihr in kurzer Zeit förmlich aus der Hand gerissen worden.
Schon Stunden bevor die "QM2" gegen 18.30 Uhr die Leinen losmachte, hatten sich die Menschen - meist zu Fuß - aufgemacht, um die beiden Kreuzfahrer am Terminal zu sehen. Kaum eine Baustelle dürfte daher jemals so viele Besucher gehabt haben wie am Freitag die HafenCity. Zwischen Überseebrücke und Kreuzfahrtterminal glich die Stimmung am späten Nachmittag dem Hafengeburtstag -
jedoch ganz ohne Buden. Nur einige findige Eisverkäufer hatten sich mit ihren VW-Bussen dort günstig platziert. Erst am Kreuzfahrttermial selbst gab es dann die übliche Volksfest-Beköstigung mit Würstchen, Bier und Döner. Dort begleiteten auf der NDR-90,3-Bühne sieben Shantychöre die Vorbereitungen zum Ablegemannöver. Gemeinsam und mit Hunderten Zuschauern sangen sie auch die fünf Lieblingsshantys, die Abendblatt-Leser und 90,3-Hörer ausgewählt hatten. Passend zu Stimmungsgefühl vieler Besucher hieß der Siegertitel: "Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise." Als Stargast präsentierte Achim Reichel dann seine aufgerockte Version der Hamburg-Hymne "Hammonia". Zum Abschied für die "Queen", die sich mit dem durchdringenden Ton ihrer Schiffshörner einige Minuten nach der "Deutschland" verabschiedete.
Schon am Morgen hatten Hunderte, später rund 2.000 Menschen den Weg zum "CruiseCenter" gefunden. Bereits um 4.50 Uhr drängten sich gut zwei Dutzend Menschen auf dem Aussichtsturm "View Point".
Um 5.59 Uhr ertönten zum ersten Mal die Schiffshörner des Kreuzfahrtschiffes. Kurz darauf zeichneten sich die dunklen Umrisse
des Luxusliners im Frühdunst ab. Begleitet von zahlreichen kleinen Booten und Ausflugsdampfern fuhr die "QM2" auf den Kreuzfahrtterminal zu, setzte dann zum Drehen an. Das mächtige Heck zog nur wenige Meter vom Ufer entfernt an den Schaulustigen vorbei, der Bug des Schiffes wandte sich dem Hafen zu. Viele der Besucher der An- und Ablegemanöver waren Touristen: Mit einer bunten Welcome-Fahne winkte beispielsweise Bärbel Weth (57) den Menschen an Bord zu. Kurz zuvor hatte sie noch mit Freunden auf der "QM2" telefoniert, hoffte nun, dass sie sie am Ufer erkennen würden. Mit Ehemann Erhard (62) war sie aus Braunschweig angereist, die beiden hatten das Spektakel mit einem Hamburg-Besuch verbunden. (at, kab)
Text: Hamburger Abendblatt vom 26. August 2006
Fotos: Silke und Holger Mette aus Schöningen (als Einsendung zu unserer Fotoaktion "Schatzsuche")